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CAROLINE WEIHRAUCH-FINISSAGE-LAUDATIO

Freitag, 27. Februar 2015, ©Mark Gisbourne (Kunstkritiker, Kurator und Kunsthistoriker, London/ Berlin)

Lassen Sie mich mit drei kurzen Zitaten beginnen, die – wie ich finde – einen guten Zugang zu den farbenfrohen Bildern von Caroline Weihrauch darstellen. Diese Bilder repräsentieren eine Kontinuität innerhalb des Bildhaften und gegenständlicher Traditionen davon, was man in der Malerei als kreativen expressiven Realismus bezeichnen kann… und ich werde ihr Verständnis zu gegebener Zeit in die Diskussion einbauen.

  1. Die Schönheit liegt in der Natur und wird in verschiedensten Formen der Realität gefunden. Sobald sie erkannt wurde, gehört sie der Kunst – oder eher dem Künstler, der sie erkannte. 
  2. Malen ist eine gegenständliche Kunst, die nur aus dem Realen und Sichtbaren bestehen kann … ein Ziel, das rein abstrakt, nicht sichtbar und nicht existent ist, liegt nicht im Bereich der Malerei.
  3. Für einen Künstler ist Kunst oder Talent lediglich eine Möglichkeit, seine persönlichen Fähigkeiten auf die Ideen und Dinge der Zeit anzuwenden, in der er lebt.

Die Zitate stammen von einem Maler, der oftmals als Vater des „Realismus“ und als der erste „moderne“ Künstler aufgefasst wird – Gustave Courbet. Und genau das unterscheidet ihn von beispielsweise Edouard Manet, der oftmals als Vaterfigur der modernen Kunst gesehen wird. Als Gründer des „Realismus“ repräsentierte Courbet eine lebendige historische Brücke zur Zukunft der Malerei. Und das zu einer Zeit, in der noch nicht definiert war (der traditionelle Akademismus und die Salonmalerei kamen, obwohl zu dieser Zeit unerwartet, zum Ende) was „modern“ ist, also noch bevor Manet die Weiterführung zur „modernen Kunst“ und einem folglich so genannten „Modernismus“ (zur Zeit des Kubismus) unternahm, der das zwanzigste Jahrhundert größtenteils prägte. Als dieser „Modernismus“ in den 1970er Jahren, also zu der Zeit des angeregten Debatte um das Ende der Malerei auf der Bildfläche erschien, prägte Jean Francois Lyotard (1924-98) den spezifischen Begriff „Postmoderne“. Er bezeichnete ihn als – und ich zitiere „Postmoderne ist keine Moderne an sich, sondern ein im Entstehen begriffener Zustand und dieser Zustand ist konstant.“ Was bedeutet das? Es bedeutet, dass das, was man „Moderne“ nannte, eine bestimmte Schiene war, also ein Ergebnis, das sich selbst als Art Moderne manifestierte, die festgelegt und dominant wurde. Aber das war nicht die einzige Option, die sich hätte entwickeln können, es gab viele verschiedene Alternativen. Und was zu diesem Zeitpunkt, als die Moderne diese bestimmte Richtung einschlug, die verbindende Brücke der Zeit war, die so genannten „ismen“ des Impressionismus, des Postimpressionismus, des Kubismus im zwanzigsten Jahrhundert etc…. war der REALISMUS und eine bestimmte Art figurativen expressiven Realismus, der vertreten war durch den Gründer des modernen Realismus, Gustave Courbet (1819-1877). Man sollte nie vergessen, dass der sogenannte „kritische“ und definierende Autor des „modernen Lebens“ Charles Baudelaire (1821-67) war, ein Freund und Mitrevolutionär Courbets. In seinem bekannten und mittlerweile kanonischen Text „Der Maler des modernen Lebens“ (1863) definiert er ‘Moderne’ als „Und so lief er, langsamer oder auch schneller, seinen Weg, immer auf der Suche. Auf der Suche nach was? …. Er suchte nach dem undefinierbaren Etwas, das wir in Ermangelung eines besseren Begriffes, um die fragliche Idee auszudrücken, ‘Moderne’ nennen könnten. Sein Ziel ist es, aus der Mode die Lyrik abzuleiten, die in ihrem historischen Gewand ruht, um das Ewige vom Vergänglichen zu trennen.“

Ich höre Sie schon sagen: wie passt das denn alles zu den Bildern von Caroline Weihrauch, über die ich heute berichte. Nunja, ihre Bilder repräsentieren diese großartige, kontinuierliche Tradition des figurativen, expressiven Realismus. Und diese Tradition muss komplett getrennt verstanden werden von dem früheren dominanten „Realismus“ des zwanzigsten Jahrhunderts, wie beispielsweise die Tradition des akribischen repräsentativen Malens, die sich von Fotografien ableitete, wie der „Photorealismus“, der „Hyperrealismus“ und der „Superrealismus“, deren Absicht es ist, die Fotografie zu kopieren und zu vergrößern und so anderen aesthetischen Zwecken zuzuführen. Gleichermaßen muss sie separat betrachtet werden von der leicht negativen Geschichte des „sozialistischen oder sozialen Realismus“ wie er eng verbunden war mit einer politischen Ideologie, sie den Realismus für ihre Zwecke der Staatspropaganda und -ideologie untergraben hatte. Das, was man modernen Realismus nennt, hatte also seit seinem Aufkommen Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in den Werken Courbets stark unter Fehlanwendung und Zweckentfremdung zu leiden. Weihrauchs Gemälde sind in der Tat denen von Courbet im Hinblick auf das Genre und das allgemeine Thema sehr ähnlich – eigentlich sind sie sogar direkt verbunden mit der frühen modernen Kunst – das er, Courbet, initiierte: Stillleben, Interieurs, Blumengemälde, Strandszenen, die Straße, das Alltagsleben etc. In der Tat spiegeln sie das Thema und die Eigenschaften des Genres wieder, die Courbet begonnen und während der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts weitergeführt hatte (Manet, Renoir, Vuillard, Bonnard, etc.). Letztere Aspekte werden manchmal auch die Belle Epoche genannt. Das Gefühl in Weihrauchs Gemälden ist wirklich sehr proustisch: Restaurants wie die Paris Bar, Lebensmittelgenuss, Vergnügen, Bonvivant und orale Sinnlichkeit.  

Er wird expressiver Realismus genannt, zumindest sehe ich das so, da es nicht um die direkte Abbildung der Realität als solche geht, wie es beispielsweise beim Fotorealismus der Fall ist. Es ist ein Realismus, der gefiltert wird durch expressive Handlungen, ein Realismus, der sich durch Sensibilität zeigt und dem expressiven Realismus von Leuten wie Edward Hopper ähnlicher ist, jedoch ohne die mürrische existentielle Melancholie des amerikanischen Meisters. Weihrauchs Malereien sind im Grunde ganz klar feierlich. Sie sind expressiv, da sie die Objekte und Szenen vergrößert und intensiver darstellen als die Wirklichkeit – und dies bleibt erhalten, ganz gleich ob sie von der adaptierten Verwendung einer Fotografie oder anderweitig reproduzierbaren Materials abgeleitet wurden. Und das bringt uns zurück zu den Zitaten, mit denen ich begonnen habe:

Die Schönheit liegt in der Natur und wird in verschiedensten Formen der Realität gefunden. Sobald es erkannt wurde, gehört es der Kunst – oder eher dem Künstler, der es erkannte.

Für Weihrauch liegt die „Schönheit […] in der Natur“, wie sie durch ihre extravagante Intensität des Sehens und der emotionalen Zärtlichkeit ausgedrückt wird. Sie findet sich in der interpretativen Vielfalt der Dinge in der Welt, die sie umgibt – „die verschiedensten Formen der Realität.“ Danach überträgt sie sich durch ihr wahrnehmendes Auge und die malerische Interpretation in ihre Kunst. Das Ergebnis „gehört daher aufgrund des Prozesses der kontinuierlichen optischen Selbstentdeckung zur Kunst.“

Malen ist eine gegenständliche Kunst, die nur aus dem Realen und Sichtbaren bestehen kann … ein Ziel, das rein abstrakt, nicht sichtbar und nicht existent ist, liegt nicht im Bereich der Malerei.

Mit ‘im Grunde eine gegenständliche Kunst’ meinte Courbet, dass Malerei Material ist, das Malen ist ein materieller Prozess, der aufgeführt wird und nicht sofort konzeptuell ist, obwohl sich Ideen wahrscheinlich gut darin einfügen ließen. Sie ist sensorisch und leitet sich von „realen und existierenden Dingen“ ab. Daher ist „ein Objekt, das rein abstrakt ist“, ein Gedanke, eine mathematische Gleichung, eine spekulative Projektion, die keinesfalls sensorisch ist oder sichtbar gemacht werden kann, kein Teil dessen, was die Malerei ausmacht.

Für einen Künstler ist Kunst oder Talent lediglich eine Möglichkeit, seine persönlichen Vorlieben auf die Ideen und Dinge der Zeit anzuwenden, in der er lebt.

Aus diesem Grund liegt Caroline Weihrauchs Talent in der Anwendung ihrer persönlichen Begabungen auf die Welt, in der sie lebt. Wörtlich eine Fortschreibung der Ideen, die Baudelaire zuerst ausgedrückt hatte, als er erklärte, „das Ziel für ihn (oder sie in diesem Fall) ist es, aus der Mode die Lyrik abzuleiten, die in ihrem historischen Gewand ruht, um das Ewige vom Vergänglichen zu trennen.“ Und wieso ist sie relevant und wieso fasziniert Malerei auch weiterhin in einer Welt, in der die meisten der früheren Rollen und Funktionen von anderen Medien, wie beispielsweise Fotografie und Film, das Internet und die erweiterte Virtualität übernommen wurden? Die Antwort ist, dass „Postmoderne keine Moderne an sich [ist], sondern ein im Entstehen begriffener Zustand und dieser Zustand ist konstant.“ Und es ist selbsterklärend, dass der Wunsch nach Malerei, die die Form eines fortgeführten expressiven Realismus hat, genauso lebendig ist wie immer.

Dies sind die essentiellen Qualitäten, die die Malerei von Caroline Weihrauch verfolgt und zu entwickeln versucht. Sie studierte Anfang der 1990er Jahre an der HdK zusammen mit Andrzje Woroniec, Wolfgang Patrick und Hans Jürgen (Hajo) Diehl und ihre Arbeit reflektiert eine intensive Wahrnehmung von Farbe, die der expressionistischen Tradition ähnelt, die so oft mit Berlin in Verbindung gebracht wird.  Jeder Besuch des Brücke Museums in Berlin würde diese Tatsache bestätigen. ABER, nachdem ich dies nun gesagt habe: die Bilder von Weihrauch haben eindeutig keine expressionistische Absicht und sie bleiben im Bereich des expressiven Realismus – sie verfälschen nicht, was sie sehen, wie das bei deutschen expressionistischen Bildern oft der Fall war. Weihrauchs Oberflächen sind satt und fühlbar, die Blüten der Blumen, Pfingstrosen, sind voll aufgeblüht und sinnlich, als ob die Blütenblätter zerbröckeln und abfallen würden, wenn man sie berührte. Manchmal gibt es Phasen mitreißender monochromer Ebenheit, die nur in dem Sinne abstrakt sind, als dass sie sich entfernen von dem was gesehen und erlebt wird. Die Titel machen dies oft deutlich: „The man who loved flowers“, „Blessed grounds“ (Schauplätze in Berlin), „Vier Jahreszeiten“ (Four Seasons, 2014), „Good Luck! 2012“. Die Gemälde sind wie gesagt feierlich und zeigen oftmals Restaurants, zukünftige Veranstaltungen wie Dinner oder Partys und spezielle bürgerliche Feierlichkeiten und heiteren Genuss. Weihrauchs Gemälde vermitteln eine gewisse Freude. Und obwohl die Themen eindeutig modern sind, erscheinen sie in ihrer Phantasie auch unzeitgemäß ,oder sie tun genau das, was Baudelaire sagte: sie versuchen, die ewigen von den vergänglichen Realitäten des Alltags zu trennen.

Vielen Dank!

I want to start with three short quotations that I think might give a broad avenue of access to Caroline Weihrauch’s colour-driven paintings, that is to say paintings that represent a continuity within the pictorial and representational traditions of what might be called creative expressive realism in picture-making…and I will incorporate their understanding into the discussion in due course.

1) The beautiful is in nature, and it is encountered under the most diverse forms of reality. Once it is found, it belongs to art, or rather to the artist who discovers it.

2) Painting is an essentially a concrete art and can only consist of real and existing things…an object which is purely abstract, not visible, non-existent, is not within the realm of painting.

3) Art or talent, for an artist is merely a means of applying his personal faculties to the ideas and the things of the period in which he lives.

The quotes are taken from a painter who is often seen as the father of ‘realism’ and considered the first ‘modern’ artist, namely Gustave Courbet, and that is to distinguish him from say Edouard Manet, who is often seen as the father figure of modern art. Courbet as the founder of ‘realism’ represented a vital historical bridge to the future in painting. At a time when it was still undecided (Traditional Academicism and Salon painting though unforeseen at the time was coming to an end) and to what was to be a ‘modern’, before, that is, Manet led on to ‘modern art’ and a subsequent so-called ‘modernism’ (at the time of Cubism) that shaped much of the twentieth century. Thus when this ‘modernism’ came into question at the time of the proposed ‘end of painting debate’ in the 1970s, Jean Francois Lyotard (1924-98) coined the specific term ‘postmodernism’. He cited it, and I quote, “postmodernism is not modernism at its end but in the nascent state, and this state is constant.” What does this mean? It means that what was called ‘modernism’ was a particular trajectory, that is an outcome that manifested itself as a type of modernism that became predetermined and dominant, but it was not the only option that might otherwise have emerged, there was any number of possible alternatives. And what stood at that moment as the mediating bridge of the time that modernism took off in the particular direction it was to take, the s-called ‘isms’ of Impressionism, Post-Impressionism, Cubism and so on into the twentieth century…was REALISM, and a particular type of figurative expressive realism represented by the founder of modern realism Gustave Courbet (1819-1877). One should not forget either that the so-called ‘critic’ and defining writer of ‘modern life’ was Charles Baudelaire (1821-67), a friend and fellow revolutionary to Courbet. In his famous now canonical text called ‘The Painter of Modern Life’ (1863), he defines ‘Modernity’ as “And so, walking or quickening his pace, he goes his way, forever in search. In search of what? …..He is looking for that indefinable something we may be allowed to call ‘modernity’ for want of a better term to express the idea in question. The aim is for him is to extract from fashion the poetry that resides in its historical envelope, to distil the eternal from the transitory.”

Now I can hear you say, well how does all this relate to the paintings of Caroline Weihrauch who I am purportedly discussing tonight. Well her paintings represent this great and continuous tradition of a figurative expressive realism. And this tradition needs to understood completely separately from the formerly dominant ‘realisms’ of the twentieth century, such as the meticulous representational painting tradition derived from photographs, such as ‘photorealism’, ‘hyperealism’, and ‘superrealism’ where the intention is to copy and magnify the photograph directing them to other aesthetic purposes, and similarly it must be separated from the somewhat negative history of ‘socialist or social realism’ as was bound up in a political ideology that subverted realism to its uses for the purposes of state propaganda and ideology. What is called modern realism has therefore suffered much then in terms of its misuse and mis-application since its advent in the mid-nineteenth century in the work of Courbet. Weihrauch’s paintings are in fact very Courbet like in terms of genre and general subject matter—in fact they link to early modern art directly—that he ‘Courbet’ initiated, still life, interiors, flower paintings, beach scenes, the street, everyday life, etc. Indeed they echo very much the subject mater and genre specialities begun by Courbet and continued through the second half of the nineteenth century (Manet, Renoir, Vuillard, Bonnard, etc), the latter aspects sometimes called the Belle Epoche, in fact Weihrauch’s paintings feel is very Proustian, restaurants such as the Paris Bar, food consumption, pleasure, the bon vivant and oral sensuality.

It is called expressive realism, or, at least that is as I read it, because it is not about direct transcription of reality as such, as might be the case with photorealism. It is a realism that is filtered through expressive affect, a realism distilled through sensibility, more akin to the expressive realism of someone like Edward Hopper, though without the morose existential melancholy of the American master. Weihrauch’s paintings are clearly in essence celebratory. They are expressive because they magnify and intensify the objects and settings as seen—and this remains so, whether or not they are derived from the adapted uses of a photograph or otherwise reproductive material. And it takes us back to the quotes that I began with: The beautiful is in nature, and it is encountered under the most diverse forms of reality. Once it is found, it belongs to art, or rather to the artist who discovers it.

For Weihrauch ‘the beautiful is in nature’ as expressed through its extravagant intensities of seeing and emotive affection. It is found in the interpretive varieties of things in the world that surrounds her, ‘the most diverse forms of reality’. It is translated thereafter into her art though her perceiving eye and painterly interpretation, and as a result it therefore ‘belongs to art’, through her process of continuous optical self-discovery.

Painting is an essentially a concrete art and can only consist of real and existing things…an object which is purely abstract, not visible, non-existent, is not within the realm of painting.

By ‘essentially a concrete art’ Courbet meant that painting is material, painting is a material process that is enacted and it is not immediately conceptual, though clearly ideas may well be incorporated into it. It is sensory and derived from ‘real and existing things’. Thus ‘an object that is purely abstract’, a thought, a mathematical equation, a speculative projection that is not in some way sensory, or able to be made visible, is not part of what constitutes painting.

Art or talent, for an artist is merely a means of applying his personal faculties to the ideas and the things of the period in which he lives. Hence Caroline Weihrauch’s skills are the application of her personal faculties to the world in which she lives. Literally an updating of the ideas first expressed by Baudelaire, when he stated, that the “aim is for him (or her in this case) is to extract from fashion the poetry that resides in its historical envelope, to distil the eternal from the transitory.” And why is it relevant, and why does painting continue to fascinate in a world where most of its former roles and functions have been usurped by other media, such as photography and film, the internet, and expanded virtuality? The answer is that “…postmodernism is not modernism at its end but in the nascent state, and this state is constant.” And it is self-evident that the desire for paintings that possess forms of continued expressive realism are as vibrant as ever.

These are the essential qualities that Caroline’s Weihrauch’s paintings pursue and try to develop. Having trained at the UdK, with Andrzje Woroniec, Wolfgang Patrick, and Hans Juergen (Hajo) Diehl, in the early 1990s, her works reflect an intense sense of colour application very much like the Expressionist tradition so-often associated with Berlin. Any visit to the Die Brucke Museum in Berlin would quickly vindicate this fact. BUT this said, the paintings of Weihrauch are clearly not Expressionist by intention, and they remain in the realm of an expressive realism—they do not distort what they see as was often the case with German Expressionist paintings. Weihrach’s surfaces are succulent and palpable, the blooms of flowers, peonies, are full blown and sensuous, as if the petals would crumble and fall away if they were touched. There are sometimes passages of sweeping monochromatic flatness, abstract only in the sense that they take off from what is seen and experienced. The titles often make this explicit, ‘the man who loved flowers’, ‘blessed ground’ (sites in Berlin)’, ‘Vier Jahreseiten’ (Four Seasons, 2014), ‘Good Luck! 2012’. The paintings are as said celebratory often depicting restaurants, inferring future events of dining or partying, and particular bourgeois sites of celebration and cheerful consumption. There is a feeling of elation in Weihrauch’s paintings. And though the subjects are of clearly of today in terms of their sources, they appear also in some imaginative out of time, or they do exactly what Baudelaire suggested, namely they seek to distil the eternal from the transitory realities of everyday life.

Thank You!

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CHRISTINE-OLDERDISSEN.DE

9. Juni 2013

ZDF-Mediathek: “Von den Farben der Pfingstrosen”

CONTEMPORARYARTDAILY.COM

October 25th, 2012

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SPIEGEL-ONLINE.DE

Dienstag, 04.09.2012 – 09:05 Uhr

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BERLIN-KLONDYKE

Kulturhalle Pfaffenhofen, Kellerstr. 6a, bis 14. 10., Mi bis Fr 16 bis 19, Sa und So 15 bis 18 Uhr

Sämtliche Dimensionen sprengt derzeit der Pfaffenhofener Kunstverein mit über 100 international gefragten Künstlern – von Valérie Favre über Shannon Finley und Thomas Helbig bis zu Enfant terrible Jonathan Meese. Dem Berliner Kuratorenehepaar Nohal mit seinen sagenhaften Kontakten ist’s zu verdanken.

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17.März 2012, Der Tagesspiegel

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ALICE IM ROSENLAND

17.März 2012, Der Tagesspiegel

Alice im Rosenland. Mit einem Format von 70 mal 140 Zentimetern hat Caroline Weihrauch ihre Pfingstrosen und Ranunkeln ins Gigantische vergrößert. Die üppigen roten und pinkfarbenen Blütenblätter von „Plink“ animieren den Betrachter, in die florale Welt geradezu hineinzukriechen. Ein Fest des Schauens, ein sinnlicher Genuss, fast meint man, den Duft der gemalten Blumen zu riechen. Die Künstlerin ist eine große Koloristin, wie man sie heute selten antrifft, ein später Spross Max Liebermanns. Dieser besondere Trieb Berliner Malkultur wird auch auf der Royal Chelsea Flower Show in London zu sehen sein, wo die Malerin im Mai ihre Riesenrosen ausstellt.

DIE KÜNSTLERIN

17.März 2012, Der Tagesspiegel

Caroline Weihrauch, 50, ist eine Sehnsuchtsmalerin. Ihre Stillleben, Interieurs und Landschaftsbilder animieren zum Wegträumen. Sie selbst nennt ihre Gemälde eine „Liebeserklärung an die Schönheit der Dinge, des Lebens“. Studiert hat die Hamburgerin in Berlin bei Wolfgang Petrick und H. J. Diehl. Bekannt wurde sie mit ihren Bildern der Paris-Bar, die den Moment vor dem Ansturm der Gäste festhalten: atmosphärisch dicht und in Farben schwelgend. Als Studentin hatte sie sich noch selbst an die wartenden Tische gesehnt, als gestandene Malerin wurde sie zur Chronistin dieser nächtlichen Bühne der Berliner Bohème. Zugleich öffnet Caroline Weihrauch Horizonte: Mehr Grün, mehr Blau, mehr Ocker als in ihren Landschaftsbildern geht kaum. Weit in der Ferne ragt darin ein einzelnes Architekturmotiv auf, eine Kirche, ein Palast, die in einem Meer aus Farbe schwimmen.

AN DER BAR

21.Mai 2011, Der Tagesspiegel

Gewächse sind sie alle. Diese wundersamen, von Caroline Weihrauch „Quallen“ genannte Formen, die dennoch wie barocke Ornamente über ihre Leinwände wuchern. Und jene ganz besondere urbane Pflanze, die sie schon als Studentin an der ehemaligen Hochschule der Künste faszinierte: Wann immer die Malerin Anfang der neunziger Jahre an der „Paris Bar“ auf der Kantstraße vorbeikam, verwandelte sich der Ort für sie in ein heilloses Versprechen. Das Licht, die Farben und natürlich die illustren Gäste.

Irgendwann wurde Weihrauch selbst Teil dieser Szene. Parallel dazu hat sie sich ihr Sehnsuchts-Motiv malend erschlossen. Aus immer anderem Blickwinkel, aber mit einer Konstante: Im Fokus ihrer Gemälde, die aktuell in der Galerie Friedmann-Hahn zu sehen sind, steht das Interieur der Bar.

Und mit ihm die seltsam gespannte Atmosphäre, die die Räumlichkeiten frühabends erfüllt, wenn alle Tische gedeckt sind, die weißen, zu Pyramiden gefalteten Servietten zarte Schatten werfen und sich das Licht in den Weingläsern spiegelt. Bereit zum großen Auftritt, den das Publikum wenig später garantiert.

Andere Arbeiten widmen sich den dunkel grundierten Wänden. Die Kunst in der Paris Bar ist legendär und stammt von Stars wie Martin Kippenberger, Daniel Richter oder Sarah Lucas. Einiges davon versteht sich als Ausgleich für offene Rechnungen, die die Wirte früher gern mit Bildern begleichen ließen. „Let’s get lost“ (19 500 Euro) heißt nun eines von Weihrauchs neuen Gemälden, das eine vertrackte Geschichte erzählt. Denn schon Kippenberger nahm sich die Bar zum Motiv für ein Gemälde, das lange dort hing. Als es 2009 versteigert werden musste, schuf Daniel Richter für die leere Stelle eine Kopie mit Varianten.

Sie taucht auch in der Ansicht der Künstlerin auf und vervielfältigt die Einrichtung im raffinierten Spiel von Bild und Abbild. Caroline Weihrauch fügt dem noch eine Facette hinzu, wenn sie die Bar in so prächtigen Farben schildert, dass sie schöner erscheint als jede Wirklichkeit. Hier offenbart sich der Zauber der Malerei, die ihre eigenen Wege geht und Details in den Blick rückt, die es trotz aller gegenständlichen Rückbezüge so nicht gibt.

Ganz ähnlich setzen sich die Landschaften der Künstlerin zusammen. Panoramen mit weitem Horizont und herausgehobenen Architekturen, die wie Schätze auf blauen Kissen liegen. Und selbst die „Quallen“ gehorchen diesem Prinzip: „Deep water horizont“ heißt die bislang dreiteilige Serie (je 8900 Euro), in der Caroline Weihrauch die zerstörten Schönheiten tief im Meer als fiktive Abstraktionen wieder auferstehen lässt.

MITTAGSGLUT DER FARBEN

13.Dezember 2007, Berliner Zeitung

Venedig, Indien, die Interieurs der Potsdamer Schlösser – diese drei kulturvollen Motivkreise beflügeln die in Berlin lebende Malerin Caroline Weihrauch: nicht unmittelbar, sondern als eine Erinnerung im Atelier, die allerdings barocker, intensiver und glutvoller nicht ausfallen könnte. In der Landschaft werden Land, Himmel und Wasser zu farbsatten, abstrahierten Flächen, die sich verlieren in der eigenen Unendlichkeit. Ebenso assoziativ löst Weihrauch Alltagsgegenstände oder andere Details aus dem Gesamtkontext – ein Polstersessel, ein schmiedeeisernes Gitter oder die Spitze einer Gondel, wohl mit der Endstation Sehnsucht.

EINE LIEBESERKLÄRUNG
AN DIE PARIS BAR

10. April 2011, BZ

Nanu, ist der Kippenberger etwa zurückgekehrt in die Paris Bar? Nein, ist er nicht. Das Bild, Glanzstück der neuen Ausstellung “These are a few of my favorite things”, die morgen in der Galerie Friedmann Hahn eröffnet, stammt von Caroline Weihrauch. Die Berliner Künstlerin sieht ihr Werk als Hommage an das legendäre Kippenberger-Bild – und als Liebeserklärung an den Geist der Paris Bar. Sie nannte es “Let’s get lost”, weil, so Weihrauch, “man da so leicht absäuft”. Neben den Paris-Bar-Bildern zeigt Caroline Weihrauch Szenen vom See Genezareth und Quallenbilder, die die Zerbrechlichkeit der Meere thematisieren. Der Mix macht’s.

DIESE EWIG UNTERBROCHENEN GEDANKEN

10.Mai 2003, Berliner Zeitung

Ein Bildschirm zeigt eine Frauenhand, die hastig Entwürfe skizziert. Ute Weiss-Leder will am Wettbewerb für ein Rosa-Luxemburg-Denkmal teilnehmen, doch das gestaltet sich schwierig, obwohl sie in ihrer Installation das Laufställchen mit einer Arbeitsplatte abdeckt: Ihr Kind, das durch einen zweiten Monitor zu sehen ist, schlummert darauf zwar friedlich. Aber das ist eben nicht die Regel; immer wieder landen benutzte Windeln auf den Papierbögen, immer wieder werden jene danach genervt zerknüllt. Vor die lichte Vision schiebt sich wie eine Gewitterwolke der Alltag. Mit diesen “ewig unterbrochenen Gedanken” – wie es Caroline Weihrauch nennt – wird die Doppelrolle Mutter und Künstlerin zu einem mühseligen Experiment.

Der in Berlin lebenden Weihrauch wurde von ihren konkurrenzbewussten Kolleginnen gar suggeriert, dass die beiden Berufungen unvereinbar miteinander seien (analog zum unverwüstlichen Klischee vom autonomen Genie, das nur für seine Kunst lebt und kein sozial agierendes Wesen ist). Als sie schwanger wurde, bekam sie ein Handtuch geschenkt, auf dem in lieber Schreibschrift “Schön, wieder eine weniger!” aufgestickt war. Sie hat es mitgenommen ins Künstlerhaus Bethanien, wo an diesem Sonntag die von Signe Theill kuratierte Gruppenausstellung “doublebind. Kunst – Kinder – Karriere” eröffnet wird; mit 27 Künstlerinnenmüttern mehrerer Generationen, als deren Veteraninnen der 70er-Jahre hier Valie Export, Rune Mields und Jenny Holzer zählen müssen.

Und Caroline Weihrauch kann neben ihren in Pastell schwelgenden Kinderspielzeug-Bildern noch ein weiteres unglaubliches Fundstück präsentieren: einen Werbespot, der im letzten Jahr bei Radio Paradiso zu hören war. “Wir geben der Hauptstadt, was sie am nötigsten braucht”, tönt es darin wie aus schlimmsten deutschen Zeiten. Das Ziel der Kampagne war nämlich: tausend neue Babys für Berlin. Und damit sich das auch für die Mutter lohnte, wurde ihr als Gebärprämie ein Kindergartenplatz zugesichert. Da vermag man nur resigniert den Kopf zu schütteln. Und in dieser vielleicht falschen, aber angesichts so bleierner Rollenmodelle auch verständlichen Mattigkeit nimmt man als Besucher exakt die Haltung ein, die viele der beteiligten Künstlerinnen sowieso innehaben.

Judith Samen hat sich selbst fotografiert – in Kittelschürze, den nackten Sohn unter den Arm geklemmt, die freie Hand subversiv am Brotmesser; Niki de St. Phalle macht den rhetorischen Seufzer “Wie kann man an einem Tag genug Zeit finden?” (wenn man vier Stunden mit den Kindern spielen, zwei Stunden Tantra-Sex haben möchte und auch noch jobben gehen muss) zum immerhin heiter gezeichneten Brief; Eva Bertram hat ein Triptychon von heute fotografiert – mit einer Dreifaltigkeit aus mürrischer, müder Mutter, Kind auf Spielplatz und alerter Großmutter an der Rutsche. Und die New-Yorkerin Aura Rosenberg empfiehlt in fingierten Zeitungsartikeln: Wenn dich dein Kind nervt, dann mach es doch einfach zum Objekt deiner Kunst. Denn wenn sich eine Frau nicht aus der Familie heraushalten kann, dann nimmt sie eben die Kinder mit in ihren künstlerischen Kontext – das ist die leicht breiige Generalthese von “doublebind”. Ansonsten werden die Verhältnisse hier eher hingenommen, nicht angegriffen.